Montagsspaziergänge

Seit mehreren Wochen gehen in sehr vielen Städten in Europa die Menschen auf die Straße, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Man hört von rechtsextremen und gewalttätigen Corona-Leugnern, die versuchen würden, ahnungslose Menschen auf ihre Seite zu ziehen und mit Gewalt gegen die Ordnungshüter vorgehen.

Doch ist es wirklich so?

Am Montag wollte ich sehen, was das für Leute sind. Da haben sich die Wege von vielen Spaziergängern vor dem Kulturzentrum Parksäle  in Dippoldiswalde getroffen. Ich habe bis 230 gezählt, aber da war lange noch nicht Schluss. Es kamen unterwegs immer wieder neue Spaziergänger hinzu. Ein externer Zähler hatte 300 gezählt. Die Polizei meldete 200 Teilnehmer. Ich lasse die Zahlen mal umkommentiert.

Ich habe anfangs den Gesprächen der Spaziergänger gelauscht und mich dann mit einigen unterhalten. Da war ein Arzt, der ab 15.3. seine Praxis schliessen will. Die meisten seiner Schwestern seien umgeimpft.  Er selbst sieht die Impfung kritisch und will nicht riskieren, so kurz vor der Rente sich auf so etwas einzulassen. Lieber hört er eher auf, auch mit finanziellen Einbusen, aber er möchte weiter leben. Er kennt auch Kollegen, die sich bereits arbeitslos gemeldet haben, da sie als angestellte Ärzte bald nicht mehr arbeiten dürfen. 

Andere waren geimpft, damit sie in den Urlaub fahren konnten, sehen aber nun alles kritisch, da es plötzlich um ihre Kinder geht. Es waren Krankenschwestern dabei, die sich ebenfalls ab 15.3. arbeitslos gemeldet haben. Sie würden sehen, was auf den Stationen los ist. Dürfen aber nicht darüber reden. Aber sie wollen auf keine Fall eine Impfung. Lieber nehmen sie die Arbeitslosigkeit in kauf. Irgendwas wird man schon finden. Notfalls putzen gehen. Aber eine Impfung käme für sie nicht in Frage. 

Unternehmer, die nicht verstehen können, dass in einen Supermarkt gleichzeitig Hunderte ohne 2G und ohne Test dürfen. Aber er nur 2G-Leute reinlassen darf – bei extrem hohen Strafen. Und plötzlich nur noch weniger als 20% der Kundschaft kommt. Sei die Impfquote wirklich so gering? 

Wer war da unterwegs? Es waren Ärzte, Pflegekräfte, Unternehmer, Eltern die friedlich durch die Stadt gelaufen sind. Und die Gespräche? Es wurde über das Unverständnis verschiedener Corona-Maßnahmen gesprochen, und über die Angst vor der Zukunft. Aber auch ganz persönliche Gespräche. Da haben sich welche beim Spazierengehen getroffen, die sich längere Zeit nicht gesehen hatten und über Familie und Bekannte ausgetauscht.

Die Spaziergänger kreuzten mehrfach eine Straße. Die Autofahrer warteten bis alle die Straße gequert hatten. Es kamen Autofahrer hupend vorbeigefahren und hielten einen gehobenen Daumen aus dem Fenster. Die Polizei fuhr mehrfach vorbei. An verschiedenen Stellen hatten sie sich auch positioniert um das Geschehen im Blick zu halten. Doch es gab anscheinend, auch aus ihrer Sicht, keinen Grund zum Einschreiten. Nach etwa 45 Minuten kamen die Spaziergänger auf dem Marktplatz an. Es wurden Kerzen auf die Rathaustreppe gestellt. 

Von radikalem Gedankengut war in Dippoldiswalde nichts zu spüren. Die Spaziergänger waren friedlich und gesprächsbereit. 

Auch in anderen Orten waren Menschen unterwegs. In Neustadt in Sachsen spazierten etwa 150 auf dem Fußweg rund um das Rathaus. Polizei und Ordnungsamt beobachteten die Situation, schritten aber nicht ein.

 

 

Ganz so friedlich war es aber nicht überall in Sachsen, wie die Polizei mitteilte:

 

 Polizeieinsätze in Dresden und dem Umland

 

Versammlungsgeschehen in Dresden

Im Zusammenhang mit einer Versammlung in der Landeshauptstadt Dresden führte die Polizeidirektion Dresden am Abend einen Einsatz durch. Hintergrund war ein Autokorso von Kritikern der Corona-Maßnahmen. Dieser startete gegen 18 Uhr auf der Pieschener Allee. Danach führte der Korso mit 89 Fahrzeugen nach Radebeul und endete gegen 19 Uhr in Dresden.

Weiterhin sicherten Einsatzbeamte zwei angezeigte Versammlungen in Radebeul sowie in Riesa ab. An den Versammlungen nahmen bis zu zehn Personen teil. Sie verliefen störungsfrei.

Unzulässige Versammlungen und unerlaubte Zusammenkünfte

In den sozialen Netzwerken ist wiederum zu zahlreichen Protesten gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen aufgerufen worden. Vor diesem Hintergrund war die Polizei in der Landeshauptstadt Dresden sowie den beiden Landkreisen Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge präsent.

Landeshauptstadt Dresden

Am frühen Abend stellten Polizeibeamte ca. 500 Personen am Schillerplatz fest. Einsatzbeamte sprachen sie mit Blick auf die Sächsische Corona-Notfall-Verordnung an und forderten sie auf, den Bereich zu verlassen. Dies wurde mit Lautsprecherdurchsagen mehrfach wiederholt. Die Teilnehmer reagierten nicht und setzten sich in Bewegung. Auf der Prellerstraße stoppten die Polizisten den Aufzug. Dabei wurden die Polizisten von Protestierenden körperlich angegriffen und mit Pfefferspray besprüht. Zudem wurden polizeiliche Maßnahmen wurden aktiv behindert. Daraufhin mussten auch die Polizeibeamten von Pefferspray Gebrauch machen. Später versammelten sich die Teilnehmer wiederum auf dem Schillerplatz, entfernten sich jedoch etwas später.

Während der Geschehnisse auf der Prellerstraße ist eine Frau (53) durch Pefferspray verletzt worden. Die Polizei hat dahingehend die Ermittlungen aufgenommen. Weiterhin ist ein Deutscher (42) an der Prellerstraße festgenommen worden. Er steht im Verdacht, Polizeibeamte mit Pfefferspray attackiert zu haben. 

Weitere Protestaktionen gab es auf dem Dr.-Külz-Ring (ca. 50 Personen), auf der Österreicher Straße (ca. 100 Personen), auf der Rehefelder Straße (ca. 50 Personen), am Ullersdorfer Platz (c. 200 Personen) sowie am Wasaplatz (ca. 30 Personen).

Im Zusammenhang mit den Protestaktionen führte die Polizei Identitätsfeststellungen durch und leitete Ordnungswidrigkeitenanzeigen wegen Verstößen gegen die Sächsische Corona-Notfall-Verordnung ein.

Landkreis Meißen

In Coswig versammelten sich am Abend etwa 400 Menschen, um gegen die Sächsische Corona-Notfall-Verordnung zu protestieren. Wenig später setzten sich die Teilnehmer in Bewegung. Polizeibeamte videografierten die Situation. Entsprechende Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen die Sächsische Corona-Notfall-Verordnung werden folgen.

Weitere Protestaktionen stellten die Einsatzbeamten in Glaubitz (ca. 20 Personen), Großenhain (ca. 150 Personen), in Radebeul (ca. 400 Personen) sowie in Zabeltitz (ca. 15 Personen).

Im Zusammenhang mit den Protestaktionen wurden Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Sächsische Versammlungsgesetz eingeleitet.

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

In Pirna versammelten sich etwa 300 Menschen, um gegen die Corona-Maßnahmen zu protestieren. Später lief das Gros auf der B 172 in Richtung Heidenau. Dabei wurde auch Pyrotechnik gezündet. Polizisten versuchten den Aufzug zu stoppen. Dabei wurde eine Polizistin (27) von einem Teilnehmer geschlagen. Kurz darauf attackierte er einen weiteren Polizisten (31) und verletzte auch diesen. Der Tatverdächtige wurde vorläufig festgenommen. Gegen den 51-jährigen Deutschen wird wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte ermittelt.

In Freital versammelten sich am Abend etwa 250 Menschen auf dem Neumarkt und liefen danach durch die Stadt. Polizeibeamte sprachen die Personen an und stoppten sie. Gleichzeitig stellten die Beamten die Personalien von 35 Teilnehmern fest. Gegen sie wurden Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Verstößen gegen die Sächsische Corona-Notfall-Verordnung eingeleitet.

Weitere Protestaktionen gab es am Abend in Bad Schandau (ca. 250 Personen), Bad Gottleuba (ca. 50 Personen), Dippoldiswalde (ca. 200 Personen), Heidenau (ca. 90 Personen), Kreischa (ca. 550 Personen), Neustadt in Sachsen (ca. 150 Personen), Possendorf (ca. 120 Personen) sowie in Sebnitz (ca. 170 Personen).

Im Zusammenhang mit den Protestaktionen wurden Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Sächsische Versammlungsgesetz eingeleitet.

Insgesamt 375 Polizeibeamte waren im Einsatz. Dabei wurde die Polizeidirektion Dresden von der Sächsischen Bereitschaftspolizei unterstützt. 

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